Neustadt a.d.W. im Nationalsozialismus

 

Angehörige der Hitlerjugend ziehen durch Neustadt a.d.W. 1936. Dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt.

Das Projekt wird im Anschluss an die neuere Volksgemeinschaftsforschung erstmals eine Gesamtdarstellung der NS-Zeit im pfälzischen Neustadt liefern. Im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen zwei Fragen: Wie funktionierte „Volksgemeinschaft“ vor Ort und was machte eigentlich eine Gauhauptstadt – Neustadt firmierte als solche zwischen 1927 und 1939 – aus? Des Weiteren soll auch der Umgang mit dem Erbe von „Volksgemeinschaft“ und Gauhauptstadt nach 1945 in den Blick genommen werden. Als Untersuchungsgegenstand ist Neustadt besonders interessant – wegen seiner speziellen Geschichte, seiner Nähe zu Frankreich und als ein Zentrum der deutschen Weinwirtschaft/-kultur. Ein wichtiges Kennzeichen des Projekts ist seine Mehrdimensionalität: Ein Buch, eine Ausstellung, ein Online-Lexikon, ein Zeitzeugenarchiv und ein digitales Schulbuch sollen das Thema aus verschiedensten Blickwinkeln zugänglich machen und den fachlichen wie auch den Dialog vor Ort fördern und bereichern.

 

Projektdimensionen

Buch

Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in einem Sammelband bildet das Herzstück des Projekts. Dieser wird wissenschaftlich fundierte und zugleich gut lesbare Beiträge von voraussichtlich 30 Autor*innen enthalten und die verschiedensten Aspekte von „Volksgemeinschaft“ in Neustadt a.d.W. während des Nationalsozialismus sowie seine Nachwirkungen beleuchten. Die Buchpräsentation ist für Dezember 2020 zu erwarten.

 

Zeitzeugenarchiv

Den Buchautor*innen stehen 14 Zeitzeugengespräche zur Verfügung, die Aufschluss über die Auswirkungen nationalsozialistischer Herrschaft auf verschiedenste Lebensbereiche bieten. Die Gespräche wurden von Kathrin Kiefer (Universität Heidelberg) mit Bürger*innen aus Neustadt und Umgebung geführt, die zwischen 1925 und 1939 geboren wurden. Ab Dezember 2020 werden die Gespräche der wissenschaftlichen Forschung und allen Interessierten online zugänglich sein.

 

Ausstellung

Eine Ausstellung wird ab Dezember 2020 zunächst in analoger Form in Neustadt zu sehen sein und anschließend digital zur Verfügung stehen. Sie stellt ein wichtiges Forum dar, um den Dialog zwischen Wissenschaft und interessierter Bevölkerung ebenso zu fördern wie den Austausch der Neustadter*innen untereinander. Neben der Projektleitung und den Buchautor*innen sind an der Gestaltung der Ausstellung Studierende der JGU wesentlich beteiligt.

 

Online-Lexikon

Ein Lexikon zu zentralen Begriffen rund um das Thema Neustadt a.d.W. im Nationalsozialismus wird ab Dezember 2020 online abrufbar sein. Auch hier arbeiten Studierende und Buchautor*innen zusammen: Während erstere Grundlagenarbeit leisten, ergänzen letztere diese durch ihr spezifisches Wissen.

 

mGuide

Eine Besonderheit des Projektes stellt die didaktische Aufbereitung der gewonnenen Erkenntnisse in einem elektronischen, multimedialen Schulbuch dar. Dieser sogenannte mGuide wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für digitales Lernen in Eichstätt erstellt und ermöglicht es Schüler*innen, anhand eines innovativen Lernmediums die konkrete Bedeutung des Nationalsozialismus für die Menschen vor Ort  kennenzulernen. Der mGuide richtet sich an alle Schulen, die einen außergewöhnlichen Weg zum Thema „Drittes Reich“ gehen wollen, und in besonderer Weise an diejenigen Kinder und Jugendlichen, die mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts mehr über die NS-Vergangenheit ihrer Heimat erfahren wollen. Der mGuide wird ab Dezember 2020 zur Verfügung stehen.

 

Feier der Weinlese und Hakenkreuzbeflaggung. 1935. Dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt.
Hitlerjungen posieren für ein Gruppenbild. 1935. Dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Ansprechpartner*innen

Projektleitung und -koordination: PD Dr. Markus Raasch

Überblick über Archivalien für Autor*innen: Dr. Vaios Kalogrias

Zeitzeugenarchiv: Kathrin Kiefer, M.A.

Online-Lexikon: Janine Arendt und Vincent Hupfauer

mGuide: Dr. Caroline Klausing

Studentische Hilfskräfte: Laura Leydecker, B.Ed. (lleydeck@students.uni-mainz.de)

Anna Katharina Lill, B.A. (alill@students.uni-mainz.de)