Forschergruppe Eltern und Kinder im Krieg

Kinder im Krieg Quelle: Bundesarchiv_Bild_183-N0301-373

Was will unsere Gruppe?

In den vergangenen Jahren hat da von der Geschichtswissenschaft lange vernachlässigte Thema „Kriegskinder“ in beachtlicher Weise an Bedeutung gewonnen. Weltkriegskindheiten werden dabei seit einigen Jahren bevorzugt in der Langzeitperspektive betrachtet. Im Blickpunkt stehen psychohistorische Erbschaften und transgenerationale Folgen, das besondere Interesse gilt den Erinnerungsgemeinschaften von Kriegskindern. Der Fliehpunkt war lange Zeit der Zweite Weltkrieg, zuletzt wurde der Gesichtskreis mehrfach auf die Zwischenkriegszeit erweitert. Weniger Beachtung hat das (Dys-)Funktionieren von Familie im Krieg selbst, mithin das Reden und Schweigen zwischen Eltern und Kindern, gefunden. Fragen nach Familienalltag, Erziehungsstrategien nebst entsprechender politischer Indoktrination, nach Vater- und Mutterrolle werden zumeist am Rande und methodisch wenig reflektiert behandelt. Der Erste Weltkrieg ist in Relation deutlich unterbelichtet. Eine systematische Zusammenschau von Ersten und Zweitem Weltkrieg liegt bisher nicht vor. Wenig berücksichtigt wurde zudem eine wichtige Quellengattung, die der Kinderbriefe.
Hier möchte unsere Forschergruppe ansetzen. Sie nimmt die Eltern-Kind-Beziehungen in den beiden Weltkriegen ins Blickfeld und fragt jenseits aller Sonderwegthesen: Was kennzeichnet das „Selbstkonzept“ von Kriegsfamilien, inwiefern wandelt es sich? Wie gestaltet sich Erziehung in Ausnahmezeiten? Was charakterisiert die Eltern-Kind-Kommunikation? Wie beeinflusst der Krieg das innerfamiliäre Reden über Politik? Wie spezifisch sind die Kriege in gefühlshistorischer Hinsicht? Wie stark ist die Kontinuität zwischen den beiden Weltkriegen? Was lernen wir daraus über das 20. Jahrhundert?

Wie arbeitet unsere Gruppe?

Wir werten gezielt Kriegserinnerungen, Tagebücher und Feldpostbriefe aus. Bisher konnten wir über 4.500 Dokumente sichten. Darüber hinaus führen wir Zeitzeugengespräche. Wir glauben, dass der Mensch im Mittelpunkt des geschichtswissenschaftlichen Interesses stehen sollte und sehen ihn trotz aller methodischen Fallstricke als unerlässliche Quelle an. Bisher haben wir mit 39 „Kriegskindern“ explizit zum Thema Eltern-Kind-Beziehungen gesprochen. [Zeitzeugenliste als PDF] Unser Fokus liegt zunächst auf dem deutschem Raum, wird streben aber eine gesamteuropäische und langfristig eine globalhistorische Perspektive an. Gezielt suchen wir den Dialog mit der (Fach-)Öffentlichkeit.

Wo können Sie erste Ergebnisse unserer Arbeit nachlesen?

  • Die Soldatenfamilie aus Kindersicht. Ein Beitrag zur Gesellschaftsgeschichte der beiden Weltkriege in akteurszentrierter Perspektive, in: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 103/3 (2016), S. 287-315.
  • Von Kontinuität und Wandel. Die Eltern-Kind-Beziehungen in den beiden Weltkriegen, in: Denzler, Alexander u.a. (Hg.): Kinder und Krieg. Von der Antike bis in die Gegenwart (Beihefte der Historischen Zeitschrift 68), München 2016, S. 245-272.

Was machen wir als nächstes?

Vortragsreihe „Kinder im Krieg. Landeshistorische Perspektiven vom 16.-20. Jahrhundert“

Wer sind wir?

Wir sind fünf Frauen und zwei Männer, die sich im Anschluss an ein Hauptseminar im Sommersemester 2014 zu einer Forschergruppe zusammengeschlossen haben:

Fabian Benkowitsch

Fabian Benkowitsch wurde 1990 geboren. Nach dem Abitur am Albert-Magnus-Gymnasium in Lauingen studierte er Geschichte, Französisch und Sozialkunde (Lehramtplus) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. In diesem Jahr wird er sein Studium mit Staatsexamen/Master abschließen. Im Projekt führt er vor allem Feldpostanalysen zum Ersten Weltkrieg durch.

Julia Brandts

Julia Brandts wurde 1991 geboren. 2010 bestand sie ihr Abitur am Kopernikus-Gymnasium in Wissen. Seit dem Wintersemester 2010/11 studiert sie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Fächer Deutsch, Geschichte und Bildungswissenschaften, seit dem Sommersemester 2014 zusätzlich Philosophie im Erweiterungsfach. Seit 2014 besitzt sie den Titel eines Bachelor of Education. Heute befindet sich sie im Masterstudiengang. Im Projekt befasst sie sich schwerpunktmäßig mit Zeitzeugenarbeit.

Clara Hesse

Clara Hesse wurde 1989 geboren. Nach dem Abitur an der Ricarda-Huch-Schule Hannover im Jahre 2009 studierte sie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Fächer Deutsch, Geschichte und Bildungswissenschaften auf Lehramt. Seit 2014 befindet sie sich im Masterstudiengang. Im Projekt befasst sie sich schwerpunktmäßig mit Feldpostanalyse.

Kathrin Kiefer

Kathrin Kiefer wurde 1991 geboren. Nach dem Abitur im Jahre 2009 absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr. Zwischen 2010 und 2014 studierte sie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Bachelor of Education die Fächer Geschichte und Katholische Religionslehre. Seit 2014 befindet sie sich im Masterstudiengang (Geschichte, Katholische Religionslehre und Deutsch). Im Projekt befasst sie sich mit Zeitzeugenarbeit und Feldpostanalyse.

Publikationen:

• Tagungsbericht: Kinder und Krieg. Epochenübergreifende Analysen zu Kriegskindheiten im Wandel, 22.03.2015 – 24.03.2015 Mainz, in: H-Soz-Kult, 08.06.2015, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6012>.

Markus Raasch
Markus Raasch koordiniert die Projektarbeit.
Siehe http://www.geschichte.uni-mainz.de/zeitgeschichte/601.php.

Hanna Rehm

Nach dem Abitur am Cusanus-Gymnasium Wittlich studierte Hanna Rehm an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Fächer Geschichte und Englisch auf Lehramt. Von September 2014 bis Mai 2015 war sie als ERASMUS-Stipendiatin an der University of Glasgow, Schottland. Zurzeit befindet sie sich im Masterstudiengang. Im Projekt befasst sie sich schwerpunktmäßig mit der Sichtung englischsprachiger Literatur.

Praktikum:
• Praktikantin beim 49. Deutschen Historikertag 2012 in Mainz

Desiree Wolny

Desiree Wolny wurde 1991 geboren. Seit 2014 trägt sie den Titel Bachelor of Education (Fächer Geschichte und Deutsch). Zurzeit befindet sie sich an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Masterstudiengang (Fächer Geschichte, Deutsch, Latein). Im Projekt befasst sie sich schwerpunktmäßig mit Feldpostanalyse.

Vorträge:
• "Die Eltern-Kind-Beziehungen in den beiden Weltkriegen", März 2014, Erbacher Hof Mainz

Publikationen:
• Reaktionen der Geschichtswissenschaft auf die Forschungsergebnisse Fritz Fischers. Die Fischer Kontroverse, Mainz 2013.
• Die Rolle der Frau in der Direktoriumsgesellschaft zu Zeiten der Französischen Revolution, Mainz 2014.
• Das Hofgut Stauffer in Obersülzen, [2014] (http://www.wirtschaftsgeschichte-rlp.de/a-z/h/hofgut-stauffer-in-obersuelzen.html)

Wie können Sie die Arbeit unserer Gruppe unterstützen?

Wir suchen weiterhin nach Quellen, um unsere Forschungen voranzutreiben. Wenn Sie Tagebücher, Briefe etc. aus den Zeiten der Weltkriege besitzen oder über ihre Kindheit im Krieg erzählen wollen, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie auf uns zukommen.

Sie erreichen uns unter:

E-Mail: maraasch@uni-mainz.de
Telefon: 06131/ 39-21419
Postadresse: Johannes Gutenberg-Universität, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften (FB 07), Historisches Seminar, Arbeitsbereich Zeitgeschichte, Jakob-Welder-Weg 18 (Philosophicum), 55128 Mainz